E-MailLinksImpressum
Start
Musikermedizin
Musikersprechstunde
Physiotherapeutische Kolloquien
Lehrveranstaltungen an der Musikhochshule Karlsruhe
Diplomarbeiten
Musikermedizin


Beschwerdefrei musizieren...

Das wünschen sich alle Musiker. Beschwerdefreies musizieren ist auch eines der Ziele der Deutschen Gesellschaft für Musikphysiologie und Musikermedizin.
Vielen Bürgern ist nicht bekannt, dass im Laufe der Berufsjahre, oft auch bereits während der Ausbildung, zahlreiche Musiker charakteristische körperliche und psychische Beschwerden entwickeln, die zumindest mitbedingt sind durch das professionelle Instrumentalspiel oder Singen.
Während solche berufsspezifischen Erkrankungen von Musikern schon in Schriften des 15. Jahrhunderts erwähnt wurden und zu Beginn des 20. Jahrhunderts in Monographien der Mediziner Julius Flesch und Kurt Singer detailliert dargelegt und hinterfragt worden sind, wurde erst seit Beginn der 80er Jahre das professionelle Musizieren und Singen tatsächlich aus der "arbeitsmedizinischen" Perspektive betrachtet.
Seitdem wächst der Bedarf an einer musikermedizinischen Betreuung auch in Verbindung mit einer Verschärfung der Arbeitsmarktsituation im Musikbereich mit gesteigerten instrumentaltechnischen Anforderungen und einer oft perfektionistischen CD-Qualität fordernden Erwartungshaltung von Künstlern und Publikum.

An der Spitze der Beschwerden von Musikern stehen akute und chronische Schmerzen sowie Aufführungsangst und psychische Belastungen. Die schmerzhaften Probleme des Bewegungsapparates sind überwiegend begründet in der dauerhaften, exzessiven Arbeit mit einem unergonomischen "Handwerkszeug", da die baulichen und spieltechnischen Eigenschaften der Instrumente und des Instrumentalzubehörs im allgemeinen nicht unseren natürlichen physischen Anlagen entsprechen. Zusätzliche Aspekte kommen beim Arbeitsplatz im Orchester zum Tragen. Sofern keine ausreichende Vorsorge betrieben wird kann hier beispielsweise die zum Teil hohe Lärmbelastung mittelfristig zu Hörschäden führen. Darüber hinaus können außermusikalisch zugezogene Verletzungen und Erkrankungen für einen professionellen Musiker leicht zum gravierenden Hindernis bei der Bereufsausübung werden.

Musikererkrankungen sind also durch viele individuell verschiedene Faktoren geprägt und gehen mit äußerst facettenreichen Beschwerdebildern einher, welche in anderen Berufsgruppen in entsprechender Form und beruflicher Konsequenz kaum anzutreffen sind.
Daher ist häufig - vergleichbar mit der Sportmedizin - eine spezifische Betreuung durch Therapeuten notwendig, die über eine profunde Kenntnis des Berufsbildes und der Gegebenheiten beim professionellen Instrumentalspiel verfügen.
Da die Erkrankungsbilder bei Musikern jedes medizinische Fachgebiet betreffen können und die Ursachen der Beschwerden nicht selten in der instrumentalpädagogischen und methodischen Ausbildungsphase liegen, ist eine umfassende Betreuung von Musikern nur im fachübergreifenden interdisziplinären Austausch möglich.
Ziel ist es in der therapeutischen Arbeit bei der Betreuung erkrankter Musiker als behandelndes Team zusammenzuarbeiten um eine qualifizierte, musikerspezifische Diagnostik und Therapie zu gewährleisten.

Um das Wissen, welches sich einzelne musikermedizinisch engagierte Personen angeeignet hatten, bündeln und austauschen zu können, wurde 1994 die Deutsche Gesellschaft für Musikphysiologie und Musikermedizin e.V. (DGfMM) gegründet. Im Namen dieser Fachgesellschaft ist neben der Musikermedizin mit gleicher Gewichtung die Musikphysiologie festgehalten.

Entscheidend ist die Prävention von Musiker-Erkrankungen, die bereits in der musikalischen Ausbildung ansetzen muss, um der Entwicklung von Krankheiten vorzubeugen.
Daher ist die Etablierung von Lehrveranstaltungen über musikphysiologische Grundlagen an den Konservatorien und Hochschulen erforderlich. Absolventen dieser Einrichtung können das gewonnene Wissen dann an die eigenen Schüler weitergeben. Auf diese Weise würde sich allmählich der Kreis schließen, die Musikphysiologie könnte bereits beim Unterrichten von Kindern in den Musikschulen konsequente Anwendung finden und künftig zu einem selbstverständlichen Bestandteil in der musikalischen Erziehung werden.
(Teile sind entnommen aus den Zielen der Deutschen Gesellschaft für Musikphysiologie und Musikermedizin www.dgfmm.org)